Versus Venus – Tannhäuser im Ausnahmezustand


für 16 Solostimmen a cappella

Partitur

Die Komposition „Versus Venus“ basiert auf Richard Wagners Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“.

Es sind im Wesentlichen zwei Dinge, die für mein Stück ausschlaggebend waren: Einerseits ist es die musikalische Dichte, die in Wagners Ensembleszenen ein solches Maß annimmt, dass Einzelstimmen in einer komplexen, vielschichtigen Klangmasse nicht mehr wahrnehmbar sind. Besonders in der Szene, in der Tannhäuser den Sängern und dem ganzen Hof seine Liebesabenteuer im Venusberg preisgibt, schreien alle in Entsetzen und Eckel durcheinander, sich gegenseitig übertreffend. Mit unglaublicher musikalischer Wucht hat Wagner diesem geballten Hass Ausdruck verliehen.

Der zweite Anknüpfungspunkt ist der inhaltliche Kern der Oper, der doppelte Konflikt, in dem sich Tannhäuser befindet: einmal der zwischen den strengen, biederen Regeln der Hofgesellschaft und der „wahren“ Liebe, so wie sie Tannhäuser im Venusberg erfahren hat. Der zweite Konflikt betrifft den Künstler und wird sicht- und hörbar im stilisierten Vortrag der Minnesänger beim Sängerwettstreit im Gegensatz zum feurigen Vortrag eines nach künstlerischer Freiheit strebenden Tannhäuser. Ich habe musikalisch genau an den Stellen angeknüpft, die von dramatischer Dichte und Vielschichtigkeit geprägt sind, habe einzelne Melodieelemente und Sprachfragmente herausgefiltert und diese dann weiter auf Elementares reduziert, dabei verdichtet und auf viele Stimmen verteilt. Auf diese Weise werden die Gegensätze extrem gesteigert und die ungeheure Energie wird potenziert.

Die Uraufführung fand 2008 mit dem Ensemble vocal modern unter der Leitung von Christfried Brödel in Chemnitz/ Dresden/Leipzig statt.