Epiklisis


für Bassflöte, Klarinette und Schlagzeug

Partitur

Anfang der 90-er Jahre begann ich mich mit der mythischen Gestalt der Pandora zu beschäftigen. Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich das Bild der Pandora im Laufe der wechselvollen Rezeptionsgeschichte seit der Antike immer wieder wandelte. So, wie sich die Sicht auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft veränderte, so veränderte sich die Deutung des Mythos. Pandora erscheint als Ur-Mutter oder Femme fatale, als All-Schenkende oder als Überbringerin des Übels über die Menschheit.

Aus meiner Beschäftigung mit dem Mythos Pandora, der in keiner Weise an Aktualität eingebüßt hat, entstand in Zusammenarbeit mit dem Textautor Peter Barboff die Komposition eines gleichnamigen, Fragment gebliebenen Musiktheaterstückes. Das Trio Epiklisis (griech. = Anrufung) ist eine instrumentale Fassung der Kernszene des Stückes, dem Pandora-Monolog.

Die Fassung für Bassflöte, Klarinette und Schlagzeug wurde 2007 uraufgeführt: Christian Sprenger – Bassflöte, Balasz Taiger – Klarinette, Ivo Nitschke – Schlagzeug

Die erste Fassung für Flöte, Bassflöte und Schlagzeug wurde 1998 vom Ensemble Avantgarde im Leipziger Gewandhaus in der Veranstaltungsreihe musica nova gespielt: Angela Wienau – Flöte, Ralf Mielke – Bassflöte und Steffen Cotta – Schlagzeug

Pandora, die „Allesschenkende“ oder „Allbeschenkte“, wird hier von Hephaistos und Athene erschaffen (attische Kylixvase 470–460 v. Chr.). Sie wird von allen übrigen Göttern vollendet und jeder steuert ein passendes Geschenk bei. „Die Büchse der Pandora ist sprichwörtlich geworden. Das verwundert um so mehr, als Pandora überhaupt keine Büchse besaß.“

(vgl. Panowsky: Die Büchse der Pandora, 1992, Campus)